Catch-up TV (CUTV)

Die TV-Verbreiter bedrohen die Existenz der Schweizer TV-Sender

1.
In der Schweiz erhalten die Zuschauer auf den digitalen Plattformen der TV-Verbreiter eine weltweit einmalige Programmvielfalt und die Möglichkeit, mehr als 250 Sender bis zu sieben Tagen zurück zeitversetzt im Replay zu nutzen.

  • Die Schweiz ist das einzige Land, in dem die Kabelnetzbetreiber ohne Zustimmung der Sender Tausende von Fernsehsendungen anbieten, verbunden mit der Möglichkeit, die Werbung zu überspulen. Damit bieten sie faktisch werbefreies free TV an.
  • Anbieter wie Swisscom machen ihren Kunden mit dem seven day Replay jederzeit über 50’000 Programmstunden abrufbar – und dies gegen eine Abgeltung an die Verwertungsgesellschaften von monatlich nur gerade CHF 1.60 pro Abonnent.

2.
Das zeitversetzte Fernsehen ist beliebt und wird immer mehr genutzt.

  • Bei den 15- bis 59-jährigen Zuschauern der Deutschschweiz stieg das zeitversetzte Fernsehen von 9 Prozent im 2013 auf 24 Prozent im Jahr 2017 an. In der Westschweiz erfolgte ein Anstieg von 13% im 2013 auf 27% im 2017 und im Tessin von 8% im 2013 auf 18% im 2017. In der werbe­relevanten Prime Time (19h–23h) und der Ziel­gruppe (15–49) betrug die zeitversetzte Nutzung in der Deutschschweiz im 2017 bereits 30 Prozent und in der Westschweiz 31 Prozent. Sie hat sich innerhalb von 4 Jahren in der Deutschschweiz nahezu verdreifacht und nimmt weiter rasant zu.

3.
Wenn die Zuschauer zeitversetzt fernsehen, ignorieren sie immer mehr die Werbung und überspulen diese.

  • Von den Programmnutzern, die zeitversetzt sehen, überspulen 60–80% die Werbung. Im Live TV beträgt die Zappingquote nur 10–30%. D.h. im zeitversetzten Fernsehen erreicht die Werbung viel weniger Zuschauer. Diese Daten beziehen sich auf die Primetime in der Zielgruppe 15–49j.

4.
Dadurch verlieren die TV-Sender Werbekontakte und Werbeeinnahmen, die sie brauchen, um die Programme zu finanzieren. Die Existenz der werbefinanzierten Sender ist in den nächsten Jahren bedroht.

5.
Die grossen Telekommunikationsanbieter wie Swisscom, Sunrise und UPC verkaufen zeitversetztes Fernsehen als Teil ihrer Bundle-Angebote. Die Zahlungen, welche die Kabelnetzbetreiber für die CUTV-Rechte über die Verwertungsgesellschaften an die Fernsehsender zahlen, stehen in keinem Verhältnis zum Schaden.

  • Für das Jahr 2014 erhielten die TV-Sender 4,5 Millionen Schweizer Franken von den Kabelnetzbetreibern – bei Werbeverlusten von 45 Millionen Schweizer Franken. Und für das Jahr 2016, als der Schaden 87 Millionen Schweizer Franken betrug, erhielten die Sender 7,6 Millionen Schweizer Franken. Für das Jahr 2017 beträgt der Schaden 110 Millionen Franken. Die Sender erhalten 8,3 Millionen Franken.
  • Die TV-Verbreiter werden allein im CUTV dank der Programmenge und den Such- und Filterfunktionen zu eigentlichen VoD-Anbietern und konkurrenzieren damit die Geschäftsmodelle der TV-Sender.
  • Im Ausland entscheiden die TV-Sender, wer welche Sendung zu welchen Konditionen schaut.

6.
Weltweit ist es einzigartig, dass die TV-Sender in der Schweiz ihre Rechte am CUTV nicht direkt geltend machen können. Diese Rechte werden zwischen den Verwertungsgesellschaften und den Nutzern (TV-Verbreiter wie Swisscom und UPC) ausgehandelt. Die TV-Sender haben versucht, ihre Forderungen in den Verhandlungen zwischen den Verbreitern und den Verwertungsgesellschaften einzubringen. Sie sind mit keiner Forderung durchgedrungen und haben sich deshalb entschlossen, den Rechtsweg zu beschreiten.

7.
Ist den Konsumenten an der Vielfalt der Fernsehprogramme gelegen, so müssen Mittel und Wege gefunden werden, wie die Programme finanziert werden. Ein wesentliches Element der Finanzierung ist die Werbung. Wenn die TV-Verbreiter die Werbeeinnahmen der Sender zum Versiegen bringen und im Einvernehmen mit den Verwertungsgesellschaften nicht bereit sind, die Leistungen der Sender anständig zu bezahlen, damit diese ihre Programme auch finanzieren können, sägen sie am Ast, auf dem sie sitzen.

8.
Faire Bedingungen für das Catch-up TV müssen durch die Kabel­netz­betreiber und die Sender direkt ausgehandelt werden. Die Parteien müssen eine Lösung finden, welche im Interesse der Sender, die die Programme produzieren liegt und auch die Interessen der Kabelnetzbetreiber und ihrer Kunden berücksichtigt.

9.
Die Sender begrüssen den Entscheid der nationalrätlichen Kommission vom 3. Juli 2018 beim zeitversetzten Fernsehen, dem sog. Cach up TV, angemessene Rahmenbedingungen für TV in der Schweiz zu schaffen. Mit der Gesetzesrevision soll das Mitspracherecht der Sender sichergestellt werden, wenn ihre Programme von Swisscom, UPC Cablecom und anderen Verbreitern im Catch up TV angeboten werden. Dieses Mitspracherecht sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber nicht. Das Mitspracherecht wird den Sender bis heute durch die Eidgenössische Schiedskommission für die Verwertung von Urheber- und Leistungsschutzrechten (ESchK) verwehrt (siehe dazu Entscheid der ESchK in Sachen GT 12, 16. Februar 2018).

10.
Die TV-Sender haben ein grosses Interesse am Replay und wollen es nicht verbieten oder einschränken. Es kann jedoch nicht angehen, dass sie beim zeitversetzten Angebot ihrer Programme von Grosskonzernen wie Swisscom und Cablecom total übergangen werden. Es ist daher zu begrüssen, dass die nationalrätliche Kommission den Beschluss gefasst hat, diese Gesetzeslücke im neuen Fernmeldegesetz (FMG) zu schliessen. Damit soll erreicht werden, dass die Sender, welche die TV Programme schaffen, und die Verbreiter, welche diese Programme zu ihren Abonnenten transportieren, ihre Geschäftsmodelle miteinander abstimmen. Mit der neuen Regelung wird in Zukunft verhindert, dass ausschliesslich die Transporteure der Programme darüber entscheiden, wie die Programme in Catch up TV angeboten werden, welche Signale und programmbegleitenden Signale der Sender übertragen werden und welche nicht. Es wird auch verhindert, dass einseitig nur die Verbreiter vom Catch up TV profitieren und die Sender praktisch leer ausgehen. 

11.
Die nationalrätliche Kommission hat sich dafür entschieden, dass die neue Regelung ins FMG und nicht ins Urheberrechtsgesetz (URG) gehört. Das URG schützt die Urheber, die Filmschaffenden, die Künstler. Der gemeinsame Tarif der Verwertungsgesellschaften GT 12 verschafft allen Berechtigten, deren Urheberrechte und verwandten Schutzrechte beim zeitversetzten Fernsehen genutzt werden, eine Vergütung. Dies soll nicht geändert werden. Auf Basis des Vorschlags der nationalrätlichen Kommission braucht es daher keine Anpassung des URG, wenn die neue Regelung im FMG Rechtskraft erlangt. Auch in die Kompetenzen der Verwertungsgesellschaften wird durch die von der nationalrätlichen Kommission beschlossene Änderung des FMG nicht eingegriffen.  

12.
Es geht auch nicht darum, dass die Konsumenten mehr bezahlen sollen. Sie zahlen heute bereits viel Geld für die Bundle-Angebote der Verbreiter. Davon fliesst allerdings sehr wenig an die Sender. Insgesamt erhalten die Sender für 2017 8.3 Mio. Franken für Replay. Gleichzeitig entgehen den Sendern 110 Mio. Schweizer Franken an Werbegeldern. Hier wird die neue Regelung im FMG einen fairen Ausgleich schaffen und dies nicht auf dem Rücken der Konsumenten. 

Stellungnahme

6. November 2017 | IRF

FMG-Revision: Schutz des TV Signals bei der Weiterverbreitung

Wir schlagen vor, das FMG mit einer Bestimmung zu ergänzen, welche die Kontrolle der Signale der Sender sichert.

Medien­mitteilung

21. März 2018 | IRF

Zementierung der diskriminierenden Verbreitungspraxis für Schweizer TV-Sender

Die Eidgenössische Schiedskommission hat am 16. Februar 2018 den Tarif (GT 12), der zeitversetzte Fernsehangebote der TV-Verbreiter regelt, genehmigt, ohne den TV-Sendern Parteirechte zu gewähren.

TV-Sender ziehen diesen existenzbedrohenden Tarif-Entscheid der Eidgenössischen Schiedskommission an das Bundesverwaltungsgericht weiter.

Die werbefinanzierten TV-Sender werden durch den neuen Tarif massiv in ihren Rechten beschnitten und erleiden wegen dem zeitversetzten Fernsehen grosse Einbussen bei den Werbeeinnahmen.

Die TV-Verbreiter übernehmen Sendeinhalte für den Aufbau eigener Video on Demand Angebote und weigern sich gleichzeitig, die interaktiven Angebote der Sender wie etwa Hbb-TV zu verbreiten.

22. August 2016 | IRF

TV-Verbreiter bedrohen die Existenz der Schweizer TV-Sender

In der Schweiz erhalten die Zuschauer auf den digitalen Plattformen der TV-Verbreiter eine weltweit einmalige Programmvielfalt mit bis zu über 300 Sendern und die Möglichkeit diese Programme zeitversetzt zu nutzen.

Die TV-Verbreiter wie Swisscom und UPC lassen beim zeitversetzten Fernsehen das Überspulen von Werbung zu und bedrohen damit das Geschäft der TV Sender. Der Ausfall der Werbeeinnahmen der Sender belief sich 2015 auf 67 Millionen Franken und wurde durch die Rechteabgeltung mit 5,4 Millionen Franken nicht kompensiert.

Die TV-Sender wollen die Konditionen von zeitversetztem Fernsehen mitbestimmen. Sie fordern eine partielle Aufhebung der Spulmöglichkeit, die Weiterverbreitung eigener interaktiver Angebote an die Zuschauer sowie eine marktgerechte Vergütung.

Medien­artikel

11. Juli 2018 | Pressespiegel

Watson: Es darf nicht sein, dass Swisscom einfach unser Programm nimmt und ihren Kunden verkauft

Die Schweiz ist ein Paradies für Replay-TV-Nutzer. Aber bleibt das so? TV-Anbieter und Konsumentenschützer sind skeptisch. Die TV-Sender jedoch versprechen, dass es weiterhin «ein attraktives Replay-Angebot» geben wird.

04. Juli 2018 | Pressespiegel

NZZ: Replay-TV erreicht die Politik

Nationalratskommission will zeitversetztes Fernsehen neu regeln.

03. Juli 2018 | Pressespiegel

Medienmitteilung: FMG-Revision: Netzneutralität soll im Gesetz verankert werden

Die KVF-N hat die Detailberatung zur FMG-Revision aufgenommen und beantragt punktuell Anpassungen der Vorlage, insbesondere bezüglich der Netzneutralität. Sie ist der Ansicht, dass Informationen bei fernmeldetechnischen Übertragungen nicht unterschiedlich behandelt werden dürfen.

04. April 2018 | Pressespiegel

NZZ Wirtschaft: Zank um zeitversetztes Fernsehen

Die TV-Anstalten wollen das Preis-Leistungs-Verhältnis zu ihren Gunsten verändern.

04. April 2018 | Pressespiegel

NZZ Reflexe: Werbung als Nährstoff und Störfaktor

Not vereint. In diesem Fall bringt sie sogar die privaten und die öffentlichen Fernsehsender in der Schweiz zusammen.

25. März 2018 | Pressespiegel

Sonntagszeitung.ch: Replay killt den Small Talk

Die TV-Branche ist schon seit langem unzufrieden. Grund dafür ist das zeitversetzte Fernsehen, das immer mehr Zuschauer dazu animiert, leidige Werbepausen einfach zu überspulen.

23. März 2018 | Pressespiegel

Berner Oberländer/Thuner Tagblatt: Ist bald Schluss mit Werbung überspulen?

Das zeitversetzte Fernsehen boomt – den TV-Sendern aber brechen die Werbeeinnahmen weg. Jetzt wollen SRG und Co. neue Regeln.

23. März 2018 | Pressespiegel

Der Landbote: Ist bald Schluss mit Werbung überspulen?

Das zeitversetzte Fernsehen boomt – den TV-Sendern aber brechen die Werbeeinnahmen weg. Jetzt wollen SRG und Co. neue Regeln.

23. März 2018 | Pressespiegel

Klein Report: Sender verlieren Werbeeinnahmen: «Profiteure sind die TV-Verbreiter»

Eine existenzielle Bedrohung rüttelt derzeit an den Säulen des TV-Geschäftes: Weil durch das zeitversetzte Fernsehen immer mehr Werbeeinnahmen wegbröckeln, sehen sich die TV-Sender in ihrer Existenz gefährdet.

22. März 2018 | Pressespiegel

Basler Zeitung: Kritik an Replay-Angeboten

TV-Sender wollen mehr Geld.

22. März 2018 | Pressespiegel

Der Bund: Ist bald Schluss mit Werbung überspulen?

Das zeitversetzte Fernsehen boomt - den TV-Sendern aber brechen die Werbeeinnahmen weg. Jetzt wollen SRG und Co. neue Regeln.

22. März 2018 | Pressespiegel

L'Agefi: Les droits du «replay» posent problème

Les chaînes de télévisions suisses contestent les conditions de la diffusion différée d’émissions par les opérateurs comme UPC, Sunrise. Elles déposent un recours au TAF.

16. Februar 2018 | Beschluss ESchK GT 12

ESchK genehmigt GT 12 ohne den Sendern Parteirechte zu gewähren

Genehmigung Gemeinsamer Tarif 12 (GT 12): Vergütung für die Gebrauchsüberlassung von Set-Top-Boxen mit Speicher und VPVR

30. Juli 2017 | Pressespiegel

Sonntags Blick: Zuschauer überspringen TV-Werbung

Immer weniger Zuschauer sehen live fern – wegen einer Rückspulmöglichkeit. Den TV-Sendern entgehen dadurch Millionen.

01. April 2017 | Pressespiegel

Kampf um TV-Werbung eskaliert

Im Streit um zeitversetztes TV erleiden die Sender eine Niederlage. Ihre Existenz stehe auf dem Spiel, warnen Sie.

23. August 2016 | Pressespiegel

Der Bund: Sender fordern mehr Geld für Replay-TV

Immer mehr Fernsehzuschauer überspringen die Werbung. Dadurch sinken die Werbeeinnahmen der Sender. Nun sollen Swisscom, UPC und andere mehr bezahlen.

23. August 2016 | Pressespiegel

L’Agefi: Le zapping en différé qui pose problème

Les chaînes de télévision réclament une suppression partielle de ce mécanisme qui grève largement leurs revenus.

23. August 2016 | Pressespiegel

La Liberté: Zapper la pub en différé nuit aux chaînes de télévision

La Communauté d’intérêts radio et télévision (IRF), qui regroupe les chaînes de télévision, réclame une suppression partielle de la possibilité de sauter les publicités. Cette option met à mal leurs revenus publicitaires et leur survie.

23. August 2016 | Pressespiegel

La Regione: Programmi senza tagli di pubblicità

Lo chiede l’Associazione di interessi radio e televisi di cui fa parte anche la Ssr.

23. August 2016 | Pressespiegel

NZZ: Gefährdetes Geschäft mit TV-Spots

Die Mediatheken von Netzdiensten unterhöhlen die Geschäftsmodelle der werbefinanzierten Fernsehsender in der Schweiz. Diese setzen sich nun für eine Besserstellung ein.

23. August 2016 | Pressespiegel

TA: TV-Sender wollen mehr Geld für zeitversetztes Fernsehen

Immer mehr TV-Zuschauer überspringen die Werbung. Dadurch sinken die Werbeeinnahmen der Sender. Nun sollen Swisscom, UPC und andere mehr bezahlen.